Der 30-jährige Krieg und die Auswirkungen auf unsere Gemeinde

Im 30-jährigen Kriege war unser Schwabenland durch Kriegshandlungen und Seuchen schrecklich entvölkert worden. Die Mächtigen scheuten Ausgaben, die nicht ihrer Hofhaltung dienten und gaben daher die Parole heraus, der Krieg solle sich selbst ernähren. Die Folgen waren fürchterlich. Unterbezahlte Soldatenscharen strichen umher und hinterließen ganze Landstriche ohne Lebensmittel, Saatgut und Zugtiere. Ganze Dörfer waren nur noch wüste Brandstätten und die wenigen Überlebenden waren nicht imstande, das vorhandene Kulturland zu bebauen.
Die Bauern hielten die Schweden völlig zutreffend für Feinde. "Sie fingen an, mit den schwedischen Soldaten, wenn sie selbige in geringer Anzahl trafen, jämmerlich umzugehen und sie aufs gräulichste hinzurichten. Sie haben ihnen die Hände und die Füße abgehauen, die Augen ausgestochen, Nasen und Ohren abgeschnitten und sie mit anderen unmenschlichen Martern umgebracht. Wegen dieser Untaten und Mörderei ergrimmte das schwedische Volk über die Bauern und verfolgte sie erbittert mit Feuer und Schwert, um solches zu rächen. Es sind dann nicht wenige hingerichtet und etliche hundert Dörfer in Bayern angezündet und in Asche gelegt worden."
Es wäre sicherlich falsch davon auszugehen, dass sich das Elend unserer Gemeinde auf ein einziges Ereignis während des dreißigjährigen Krieges reduzieren lässt, es war ein über Jahre andauerndes Plündern und Morden. Es ist zeitlich nur in etwa mit dem Einfall Gustav Adolphs in Bayern bei Rain am Lech 1632 und der letzten Schlacht bei Zusmarshausen im Mai 1648 zu begrenzen. Sicherlich waren es auch nicht nur die Schweden, sondern auch Söldner und Soldaten anderer Heere ( kaiserliches, französisches usw.) die raubend und brandschatzend über unseren Landstrich zogen, denn man legitimierte dieses nicht selten mit dem Vorwand, dem Feind nichts Verwertbares zurückzulassen zu wollen.
Im Jahre 1642 sollen in Winterbach nur noch 4 Einwohner gelebt haben. Kirche, Pfarrhof und die meisten Wohnhäuser waren völlig zerstört.
Mit der Rückkehr ruhigerer Zeiten kamen bald wieder wandernde Handelsleute wie ehedem in die Gegend, in erster Linie die "Kramer". Dies brachten wohl die Kunde von günstiger Besiedlungsmöglichkeiten in ihre Heimat und ermunterten ihre Landsleute zur Abwanderung in die fruchtbaren Landstriche.
Für hiesige Gegend erklärt sich der starke Zuzug gerade aus den österreichischen Landen vielleicht daraus, dass das Österreichische Herrschaftsgebiet Burgau ein besonderes Anziehungsmoment für Angehörige der österreichischen Erblande war. Vielfahrendes Volk bewegte sich damals auf deutschen Straßen und einzelne machten den Versuch sich in dem menschenarmen Land sesshaft zu machen, aber sie bleiben meist nicht lange. Der Großteil der Zugewanderten jener Zeit waren aber richtige Auswanderer, die sich eine neue Heimat suchten und fanden.
Sie scheinen überall eine willkommene Aufnahme gefunden zu haben. Die männlichen Einwanderer sind in der Mehrzahl und verheirateten sich mit einheimischen Frauen, der Gerichtsvogt fungierte häufig als Trauzeuge. Die meisten scheinen ein Gewerbe ausgeübt zu haben und brachten dabei wohl eine Neubelebung des Handwerks mit sich. Wo sie später im Orte ihrer Verheiratung kein rechtes Fortkommen fanden, siedelten sie in eine Nachbargemeinde über.
Von einem Kuriosum ist noch zu berichten:
Ein Schwede ist in Winterbach zurückgeblieben. Er soll sich in einem Backofen versteckt haben, bis die kämpfende Truppe weiterzog. Dieser Schwede hat sich mit einer Winterbacherin verheiratet und dann eine Landwirtschaft betrieben. So kam es, dass die ehemalige Hausnummer 3 (heute Schulstraße 18 + Gemeindehaus) den Hausnamen "Beim Schwed " bekam.

von Volker Heinrich

Quellen:
Forschungsergebnisse Von Pfarrer Weckerle
Blätter des Bayr. Landesvereins, 7. Jahrgang 1929, Heft 5
Peter Milger, "Gegen Land und Leute", Bertelsmann Verlag, 1998
 
Text: Volker Heinrich; © Copyright by